Archiv der Kategorie 'Essstörung'

Bulimie ist Sterben, und doch Weiterleben.
Bulimie ist Aufgeben, und doch Weiterkämpfen.
Bulimie ist keine Disziplinlosigkeit. Bulimie ist absoluter Kontrollverlust.
Bulimie ist nicht ein 2. und 3. Mal nachschenken. Bulimie ist ein Wochenvorrat von sämtlichen Nahrungsmitteln, Resten bis hin zu rohen Lebensmitteln, wenn nichts mehr den Wahn sättigen kann.
Bulimie ist nicht zum Klo zu rennen, um sich schnell wieder des Essens zu entledigen. Bulimie ist zum Bad zu kriechen, zu hoffen, dort auch anzukommen, bevor der pralle und schmerzende Magen platzt.
Bulimie ist nicht nur den Finger in den Mund stecken, und alles wieder loswerden. Bulimie ist die Hand fast bis zum Gelenk und noch weiter in den Rachen zu schieben, weil sich der Magen nahezu weigert, auch nur irgendeines seiner erworbenen Lebensmittel wieder rauszurücken.
Bulimie ist nicht sich nach erfolgreichem Übergeben zufriedenzustellen. Bulimie ist sich anschließend wieder auf die Waage zu kämpfen, um zu überprüfen, ob nun wirklich kein Gramm mehr angezeigt ist.
Bulimie ist nach langem Dahinvegetieren endlich wieder Gefühle zeigen, denn Bulimie ist endlich weinen können.
Bulimie bedeutet Streß, Zeitdruck und damit das Trainieren der Organisation.
Bulimie bedeutet Timen, wann man alleine und ungestört ist, wieviel man in welchem Zeitraum essen kann, wann man anfangen muss, es wieder loszuwerden, wie lange sich die Dauer der Entledigung ziehen kann, wie oft sich die Prozedur wiederholt.
Bulimie bedeutet nicht, irgendwann mit erhobenem Zeigefinger von Mitmenschen zur Besserung ermahnt zu werden. Bulimie bedeutet, irgendwann von seinen Schwestern auf dem Flur zwischen Küche und der bereits offenen Badezimmertür gefunden zu werden. Bewusstlos liegend, inmitten von Blut und Erbrochenem.
Bulimie bedeutet, als letzten Gedanken vor der Ohnmacht nur jene Angst zu haben, es nicht mehr rechtzeitig zu schaffen, diesen schweren Klumpen aus dem Magen zu befördern.
Bulimie bedeutet als einzige Angst zu haben, als fettes Schwein beerdigt zu werden.
Bulimie bedeutet, jede Hilfe abzulehnen, die einem angeboten wird. Bulimie bedeutet jede Hilfe als Zerstörung der schönen, kleinen, simplen Mathematik-Welt anzusehen.
Bulimie bedeutet auch Angst vor dieser Mathematik-Welt – davor, dass man nicht weiß, wieviele Kalorien man nun aufgenommen hat, Angst davor, nicht zu wissen, was die Waage als nächstes anzeigt.
Bulimie bedeutet, jede Zahl auf der Waage als Niederlage zu sehen, wenn sie größer ist, als erhofft. Jede Zahl, die größer als Null ist, ist eine Niederlage.
Bulimie bedeutet vom Arzt gesagt zu bekommen, dass jeder weitere Rückfall, die unmittelbare Ursache eines Herzinfarkts sein könnte… und irgendwann auch sein wird.
Bulimie bedeutet sich diese Gefahr immer vor Augen zu halten, wenn man beschließt, doch eine Kleinigkeit gegen den quälenden Hunger zu essen.
Bulimie bedeutet zu wissen, dass jeder Bissen einen erneuten Fressanfall auslösen kann.
Bulimie bedeutet sich langsam bewusst zu machen, dass jeder Bissen zum Mord an sich führen könnte.
Bulimie bedeutet zu ahnen, dass während des Schreibens dieser Zeilen, eine andere Person sich zum ersten Mal den Finger in den Hals steckt, um einen Kuchen, den man zuviel verdrückt hat, wieder loszuwerden.
Bulimie bedeutet Einsamkeit und Isolation. Bulimie bedeutet, mit niemandem darüber reden zu können, schweigen zu müssen.

Texte aus dem nett

Ich hasse kotzen!
Und trotzdem muss ich es immer und immer wieder tun.
Zerkratze mir den Rachen, verätze mir die Speiseröhre…
alles für diesen kleinen Moment des Glücks, in dem ich alles essen kann was mir schmeckt ohne mir Sorgen darüber machen zu müssen, zu zu nehmen.

Und ich muss kotzen!
Wenn ich in einer Gesellschaft feststecke – wie meiner Familie – in der
kleine Portionen erst kritisiert, dann verboten werden.
Unmöglich sich da an den Diätplan „Friss gefälligst nichts“ zu halten.

Und dann plagt auch noch das schlechte Gewissen…
der Druck steigt…ich spüre wie die Seele rebelliert, wie der Magen schmertzt und krampft…
es folgt der Bick in den Spiegel! Jedes mal grauenvoller, jedes mal auf’s neue eine Enttäuschung – ein Todesurteil!
Ich schäme mich – schlimmer noch – ich hasse mich!
Finde mich furchterregent hässlich. Fett! Spüre diese unbändige Wut!
Diesen Selbsthass und Ekel!
Beginne mir die Haare auszureißen und mir in den Bauch zu boxen…würde mir am liebsten das Gesicht zerkratzen.

Und dann kotze ich!
Beuge mich über’s Klo, stecke mir gewaltsam den Finger in den Hals…
spüre wie mir flau im Magen wird, wie sich das ganze Fressen sammelt und als Kloß den Hals hochschnellt…und dann platzt es aus mir heraus.
Raus. Einfach alles raus.
Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert!
Und nach einer Weile bin ich total leer.
Erschöpft und leer.
Außer einem Brennen in Hals und Magen bleibt nichts zurück.
Keine Kalorien und kein Gefühl. Ein schöner Moment.
Kein Gefühlschaos, kein Gedankenkreisen.
Einfach Stille…Leere…Taubheit.

Kein Haufen zermalmtes Essen…das ist längst auf dem Weg ins Klärwerk…
nur Ich…einzig und allein Ich – eine leere Hülle.

Doch dieser Moment ist nur ein kurzer Augenblick.
Bald, vieleicht schon sofort, beginnt es von vorn.
Die Suche nach Befriedigung und Genuß vereint mit dem Ziel der Traumfigur?
Nur ein kurzer Augenblick Ruhe zwischen meinen kleinen Massakern.
Denn ich zerstöre mich! Mein Körper ist verätzt und erschöpft, meine Seele krank.
Aber vielleicht ist auch genau das der Sinn – das Ziel – Selbstmord auf Raten!

800 000 – 2,7 Mio in der BRD ( alte Bundesländer ) essgestört
40 000 – 500 000 in Berlin ( nach der Wende )
90% Frauen 10% Männer ( Tendenz steigend )
von der Gesamtbevölkerung: 10 – 20% Frauen, 5% Männer
20% Magersucht
70% Ess – Brechsucht
10% Ess-Sucht (ab dem 50. Lebensjahr knapp 30% Übergewicht =
15 – 20% über „normal“; nur 1/20stel organisch bedingt )
60 – 80% Grenzverletzungen ( sex. Missbrauch, Gewalt )

Ernährungspsychologisches Institut Göttingen:

• jede 2. Deutsche Frau essgestört, jeder 3. Mensch vorübergehend
• mind. 50% der bis 18jährigen Mädchen hat eine oder mehrere Diäten gemacht
• Zitat: Es gibt kaum eine Frau, die auf ganz natürliche Weise mit dem Essen umgehen kann, die keine Waage, keine Diät kennt und isst, worauf sie Appetit hat.
• bereits 1992:
• Über 500 Diäten auf dem Markt = Einstiegsdroge in Ess-Störung
• ca. 75% der Frauen haben Diäterfahrung, mind. 15% machen ständig eine Diät
• 2 von 3 Menschen, denen der Arzt eine Diät verordnet hat, haben nach 7 Monaten ihr altes Gewicht wieder oder gar zugenommen.
Zu Magersucht:

• 10% sterben
• 30% Spontanremission ( Lebensverhältnisse anders )
• 30% Heilung durch Behandlung
• 30% chronisch
• 40% geht in Eß- Brechsucht über
• jeder 7. Jugendliche ist ein Risikofall
Zu Ess – Brechsucht:

anerkanntes Diagnosekriterium ( DSM-III-R ) : mind. 2 Eßanfälle pro Woche über mind. 3 Monate.
Seit 1980 als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt.

• 60% essen und brechen 1-2mal täglich
• 30% 6mal
• 10% häufiger ( in der Praxis: bis zu 15mal am Tag )
• durchschnittlich dauert es 8 Jahre bis Hilfe in Anspruch genommen wird.
• 20% sind selbstmordgefährdet
• 15% waren vorher magersüchtig
• Männer im kommen ( Homosexuelle, Models, Tänzer, Ringer, etc.)
Zu Ess-Sucht:

• bereits 1982 kontrollierten 10% der Frauen ihr Gewicht ständig,
• 30% häufig
• 30% ab und zu
• 30% nicht